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    Usability und Barrierefreiheit: Freundliche & offene UmWWWelt für alle

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Was bedeutet „barrierefrei“?

Für eine nutzerfreundliche Klinik-Website sind einige Kriterien zu beachten

Foto von Gleb DolotovFoto: Gleb Dolotov Geschäftsführer Dialog WebDesign GmbH Frankfurt Das Internet hat längst in alle Lebensbereiche Einzug gehalten. Das trifft auch auf den Gesundheitssektor zu. So ist heute eine Klinik-Website die erste Anlaufstelle für Patienten, Besucher, einweisende Ärzte, Bewerber und Journalisten. Viele Krankenhäuser haben der wachsenden Bedeutung ihrer Website in den letzten Jahren Rechnung getragen und den Webauftritt verbessert. Auch werden heute die formalen Mindestanforderungen hinsichtlich der Barrierefreiheit besser beachtet. Dennoch besteht vielerorts auch weiterhin großer Nachholbedarf.

In Deutschland ist die Verordnung zur barrierefreien Informationstechnik (BITV) maßgeblich für die Schaffung barrierefreier Informationstechnik nach dem Behindertengleichstellungsgesetz. Diese orientiert sich an den erstmals 1999 veröffentlichten Web Content Accessibility Guidelines (WCAG 1.0).

Diese Richtlinien gelten in erster Linie für Behörden der Bundes-, Landes- und Kommunalverwaltung sowie deren nachgeordnete Einrichtungen. So soll sichergestellt werden, dass der Zugang zu Internet-Inhalten unabhängig von persönlichen Einschränkungen problemlos möglich ist. Konkret heißt das, dass Beschreibungstexte für Bilder und Links angegeben werden, die Schriftgröße veränderbar und die Bildschirmauflösung variabel ist.

Seit 2009 liegt nun die WCAG 2.0mit ihren höheren Anforderungen an Benutzerfreundlichkeit und Barrierefreiheit vor, so beispielsweise mit schärferen Vorgaben in Bezug auf Farbkontraste, Formulare und die Handhabung von Multimedia (Untertitel, Synchronisation, Steuerung). Auch wenn das zuständige Bundesministerium für Arbeit und Soziales schon wiederholt erklärt hat, dass es bald zu einer Überarbeitung der BITV-Richtlinien in Anlehnung an die deutlich strengeren Empfehlungen der WCAG 2.0 kommen wird, so liegt bislang kein fester Termin zur Umsetzung vor.

Erfolg durch Benutzerfreundlichkeit

Dennoch spricht für Kliniken nichts dagegen, schon heute – auch unter Berücksichtigung des wachsenden Wettbewerbsdrucks – die Vorteile einer klar barrierefreien Website zu nutzen. Denn letztlich ist es die erste Aufgabe einer Klinik-Website, Patientenfragen vor einem Klinikbesuch zu beantworten.

Jedem Patienten, auch solchen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen, sollte es leicht möglich sein, sich diese Informationen zu beschaffen. So kann die individuelle Ausnahmesituation, der Krankenhausaufenthalt, von Anfang an möglichst reibungslos gestaltet werden.

Für einen im Wortsinn barrierefreien Zugang zur Klinik können auch Elemente wie Anfahrtsbeschreibung und Patienten-Checklisten beitragen. Ebenso sollte ein Ausdruck der Webseiten problemlos ohne überflüssige Bildelemente möglich sein. Nicht zuletzt trägt auch eine leicht verständliche Sprache mit kurzen und prägnanten Sätzen zur Barrierefreiheit bei.

Eine konsequent umgesetzte barrierefreie Gestaltung kann noch mehr: Auch Menschen ohne Behinderung fallen beim Besuch der Homepage die schnellen Ladezeiten und die intuitive Menüführung auf. So kann die Klinik-Website ein patientenfreundliches Image, Expertise und ein in sich stimmiges positives Klinikbild transportieren.

Durch die strikte Trennung von Programmierung und Design wird der Seitenaufbau schneller. Weil auf störende Dinge, die oft Barrieren darstellen, verzichtet wird, ist die Steuerung über die Tastatur leicht möglich. Die verschachtelte Programmierung in Frames, die die Navigation unnötig erschwert, ist für eine barrierefreie Website tabu

Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist, dass barrierefreie Seiten ohne weiteres auch für mobile Endgeräte (Handy, Smartphone, iPhone) geeignet sind. Zudem ist die für die Barrierefreiheit wichtige Metabeschreibung von Bildern und anderen Medien ideal für die Suchmaschinenoptimierung.

Auswirkungen von Barrierefreiheit auf das Nutzerverhalten über die ZeitAuswirkungen von Barrierefreiheit auf das Nutzerverhalten über die Zeit

Generell folgt bei einer barrierefreien Website das Design der Funktionalität. Dadurch wird die Benutzerfreundlichkeit – auch Usability genannt – wichtigstes Kriterium für die Seitenkonzeption. Hierfür muss der Programmierer konsequent aus der Perspektive des Nutzers denken: Was finde ich gut? Was stört mich beim Besuch der Website? Im Ergebnis steht dann eine schnelle und intuitiv bedienbare Homepage, die Ausdruck von Patientenfreundlichkeit ist.

Die große Benutzerfreundlichkeit einer barrierefreien Website führt dazu, dass sich im Vergleich zur Ausgangssituation die Verweildauer auf der Website, die Seitenzugriffe, die besuchten Seiten je Zugriff sowie die Zugriffe insgesamt deutlich steigern lassen. Und zwar bei gleichzeitiger Absenkung der Absprungrate (siehe Abbildung 1).

Anforderungen an das Redaktionssystem

Hohe Anforderungen an Aktualität und sensible Inhalte sind bei einer Klinik-Website die Regel. Deshalb ist intuitive Nutzerführung nicht nur für die Bedienbarkeit der Homepage und deren Akzeptanz wichtig, sondern auch für das Einpflegen von Inhalten auf die Website mittels eines Redaktionssystems (Content Management System).

Ein solches Redaktionssystem sollte dazu in der Lage sein, alle Inhalte direkt in ein barrierefreies Format umzusetzen. Eine intuitive Nutzerführung ermöglicht es zudem, den Kreis derjenigen sinnvoll zu erweitern, die Inhalte eingeben und redigieren können. Von statischen Lösungen oder solchen, die das Editieren nur durch Agenturen erlaubt, ist abzuraten. Ein Redaktionssystem sollte sich ähnlich leicht wie ein Word-Dokument bearbeiten lassen.

Derzeit sind soziale Netzwerke, auch Web 2.0 genannt, in aller Munde. Externe Bewertungsportale und Blogger haben schon heute zunehmend Einfluss auf Kliniken. Das Heilmittelwerbegesetz (HWG) schließt die aktive Teilnahme an sozialen Netzwerken für Krankenhäuser aus. So sind beispielsweise Patientenberichte und Danksagungen durch Patienten in Online-Gästebüchern untersagt.

Auf der inhaltlichen Ebene gibt es diesbezüglich keine Grenzen, solange es keine Vorher-Nachher-Betrachtungen sind und die Tonalität nicht werblich ist.

Um hier das hohe Tempo des Web 2.0 mitgehen zu können, bedarf es eines gut zu handhabenden Redaktionssystems, welches auch gleich die Barrierefreiheit mit umsetzt. Die adäquate Informationsdichte kann dann beispielsweise über Veranstaltungshinweise, Fachaufsätze und Lebensläufe, die die fachliche Qualifikation der Ärzteschaft unterstreichen, erreicht werden.

Darüber hinaus spricht nichts gegen Fotos von Krankenhauszimmern oder sogar das Verschicken von Grußkarten, das über die Website angestoßen werden kann. Gerade diese nicht ganz alltäglichen Inhalte und Features machen die Klinik-Website attraktiv, und zwar besonders dann, wenn sie barrierefrei aufgesetzt sind. Besucher und Internet-Suchmaschinen wissen das zu schätzen.

Die Anforderungen variieren stark von Klinik zu Klinik. Für den Projekterfolg ist deshalb ein Planungsprozess mit allen Interessensgruppen entscheidend. Erst durch das ausführliche Briefing kann sich ein Dienstleister den speziellen Anforderungen eines Hauses annähern.

Eine gute Konzeption kann die Praxis nicht ersetzen. Jeder Meilenstein sollte deshalb durch einen Praxistest abgesichert werden, der verschiedene Zielgruppen und Patienten einschließt, solche mit und solche ohne Beeinträchtigung.

Unerlässlich ist auch eine abschließende Überprüfung durch Fokusgruppen. Erst wenn die gesteckten Ziele in kürzester Zeit erreicht werden, steht einer Freischaltung nichts mehr im Wege.

Fazit

In einem zukünftig noch wettbewerbsintensiveren Umfeld kann eine konsequent barrierefreie Website einen wichtigen Beitrag leisten, um beides, nämlich Patientenfreundlichkeit und betriebswirtschaftliche Aspekte, auch im Webauftritt stärker zu gewichten.

Intuitive Benutzerführung und Barrierefreiheit verschaffen einen guten ersten Eindruck und zahlen positiv auf das Klinikimage ein. Die barrierefreie, fachlich fokussierte Klinik-Website spricht eine interessante Patientenschaft und wichtige Einweiser an, so dass in der Konsequenz von einer verbesserten Bettenbelegung ausgegangen werden kann.

Gerade in Zeiten knapper Budgets erscheint die Investition in eine barrierefreie Klinik-Website als wichtige, weil effizienzsteigernde Maßnahme. Denn der Deckungsbeitrag, der mit zusätzlichen Patienten erzielt wird, die über eine neue barrierefreie Website zur Klinik finden, gleicht Einmalkosten schnell aus.

Abhängig vom fachlichen Schwerpunkt der Klinik können zur Kostendeckung dazu schon zwei bis drei zusätzliche Patienten ausreichen. Bei dieser Betrachtung sind die laufenden Kosten, die durch ein leicht zu bedienendes Redaktionssystem eingespart werden, noch nicht berücksichtigt.

Zudem können Marketingaufwendungen zurückgefahren werden, da durch die barrierefreie Programmierung und eine thematisch fokussierte Klinik-Website die Auffindbarkeit im Netz steigt. So haben sich in der Praxis bereits nach 18 Monaten (nach 12 Monaten) die Zugriffszahlen um mehr als 60% (30%) erhöht.

Kliniken, die sich die Barrierefreiheit für ihre Besucher zu Eigen gemacht haben, sind erfolgreich in Wettbewerben wie "Deutschlands Beste Klinik-Website" und können sich problemlos als "patientenfreundlich" zertifizieren lassen. Das schont das Marketingbudget und führt zusammen mit der barrierefreien Website zu erhöhten Fallzahlen in den angesprochenen Patientengruppen.