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"Ab ins Web! - Bildungseinrichtungen im Internet"

Interview mit Gleb Dolotov, Geschäftsführer Dialog WebDesign GmbH

Herr Dolotov, was gibt es beim Webauftritt von Bildungsträgern zu beachten?

Er soll den Studierenden Orientierung bieten: Am Anfang steht die Suche nach dem geeigneten Angebot, hier geht es um aussagekräftige Vorabinformationen zu den Lehrinhalte. Das Interesse muss geweckt werden. Während der Ausbildung sollte die Bildungswebsite den Lernenden vertiefende Informationen zur Verfügung stellen. Und schließlich sollte die Webpräsenz sich durch spezielle Bereiche für Absolventen auszeichnen. So bleibt sie auch für Alumni interessant und der Bildungsträger kann dort über neueste Lehrangebote informieren. Generell ist darauf zu achten, dass der Übergang zwischen den einzelnen Bereichen, öffentlichen und geschützten, möglichst reibungslos erfolgt.

Welche Kriterien sind bei der Planung einer neuen Webpräsenz besonders wichtig?

Die Praxis zeigt, dass es ganz klar das Budget ist. Das gilt insbesondere für öffentliche Ausschreibungen. Gleich nach der Budgetfrage geht es um die gewünschten Funktionalitäten: Beim künftigen Nutzer muss im Vorfeld Klarheit darüber herrschen, was unbedingt erforderlich ist. Universallösungen sind gut. Es ist allerdings auch nicht immer zielführend, sich die Komplexität eines kompletten „Learning Management Systems“ (LMS), wie beispielsweise des Open Source-Marktführers „moodle“ ins Haus zu holen, wenn es im Grunde um Kursbuchungen und „Train the Trainer"-Anwendungen geht. In dieser Hinsicht ist ein informierendes Gespräch mit einer spezialisierten Agentur durch nichts zu ersetzen.

Sie empfehlen Open Source-Lösungen?

Ja, eindeutig. Sofern man sich eine zukunftssichere Technologie wünscht, die modular erweitert werden kann, sollte die Wahl auf eine Open Source- Software fallen. Dabei kann es für Bildungsträger wichtig sein, dass LMS-Module problemlos angedockt werden können. Das ist bei den meisten Open Source-Content Management-System (CMS) der Fall.

Ein zusätzlicher Vorteil ist, dass hier ein Großteil der Website-Pflege leicht und schnell selbst erledigt werden kann. Auch größere Anpassungen sind in der Regel durch externe Dienstleister kostengünstiger. Der Bildungsträger begibt sich nicht in Abhängigkeit zu einer einzelne Agentur.

Welche Rolle spielen Content-Management-Systeme? Und wie funktioniert das Zusammenspiel mit Learning Management-Systemen?

CMS sind im täglichen Handling die entscheidende Größe. Mit ihnen steht und fällt der Webauftritt. Wie schnell bzw. mühelos können beispielsweise Kurs- oder Terminänderungen in die Webpräsenz der Bildungseinrichtung gepflegt werden? Grundsätzlich ist Aktualität ein wichtiges Kriterium für jede Website.

Jede Lösung, die nur einzelne Bereiche des Anforderungsspektrums abdeckt, macht den Gesamtauftritt unnötig komplex und ist in der Konsequenz zu teuer. Bei LMS sollten solche Lösungen genutzt werden, die sowohl öffentliche als auch beschlossene Bereichen unterstützen.

Die Schnittstelle zum Management ist so zu gestaltet sein, dass die erzielten Ergebnisse direkt ausgelesen werden können. Dabei sollte der Lernfortschritt in Echtzeit ins Reporting einfließen. So werden dem Management, Lehrenden und/oder den Studierenden sehr wirkungsvolle Instrumenten an die Hand gegeben.

Welche Web 2.0-Funktionalität gehören ins Pfilchtenheft einer Webpräsenz eines Bildungsträgers?

Das Empfehlungsmanagement steht ganz oben auf der Liste. Dazu gehört eine Schnittstelle zu den wichtigsten sozialen Netzwerken. Oftmals wird seitens der Entscheider due Aktivität der Studierenden in eben diesen Foren unterschätz. Hier besteht für viele Bildungsanbieter Nachholbedarf. Es wirkt sich in jedem Fall positiv aus, wenn eine aktiveBewertungsmöglichkeit angeboten wird.

Gibt es mehr Vorteile oder Risiken für Bildungsträger bei den „Social Web“-Lösungen?

Die Vorteile überwiegen deutlich. Über die Bewertungsmöglichkeit wird ein Ventil geschaffen, dass gerade auch negatives Feedback sinnvoll auf der eigenen Website zu kanalisieren hilft. Das ist wichtig. Und hier kann bei Bedarf zeitnah gegengesteuert werden. Zudem kann es passieren, dass bei einem gut vernetzten Angebot der Absender nicht gleich erkennbar ist, es also zu einer Verschmelzung von Kunden und Organisationskommunikation kommt. Richtig ist natürlich auch, dass der Bildungsträger sich mit so einem Angebot unmittelbar dem Wettbewerb stellt.

Gibt es für Bildungsträger der öffentlichen Hand besondere rechtliche Rahmenbedingungen?

Ja, solche Webauftritte unterliegen den Regelungen zur Barrierefreiheit, das heißt, die Zugänglichkeit der Inhalte muss ohne Weiteres auch für Menschen mit Beeinträchtigungen gewährleistet sein. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass die Seite durch die strikte Einhaltung einer barrierefreien Programmierung schneller wird und so die Nutzerfreundlichkeit für alle steigt. Die bei barrierefreien Seiten standardmäßig eingefügten Beschreibungen – Meta Tags auch für Audio- und Video-Inhalte – sind überdies ein Plus für die Indizierung für Suchmaschinen. Die Seite der Bildungsträger wird leichter gefunden.

Wo geht die Entwicklung hin?

Letztlich sollten Websites von Universitäten, Schulen und Akademien aktiv über die gesamte Wegstrecke des Lernens begleiten- und darüber hinaus: Bildungsseiten haben das Potenzial, ein wichtiger Orientierungspunkt für Absolventen zu werden - im Sinne von bleibende Vernetzung. Dabei wird die Individualisierung der Websites weiter fortschreiten. In anderen Bereichen ist schon weiter verbreitet, dass man zielgerichtet Informationen entlang von Micro-Sites präsentiert. So hätte jeder Trainer oder Lehrerdie Möglichkeit, das Angebot auf seiner Micro-Site selbst zu beschreiben. Die Kursteilnehmer haben dadurch direkt die Möglichkeiten, Kommentare und Bewertungen zu hinterlassen.

Herr Dolotov, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Das Interview führte Dr. Patrik Fischer

Über Gleb Dolotov

/Files/images/gleb_dolotov.jpg Dipl.-Ing. Gleb Dolotov, Jahrgang 1971, ist Gründer und Geschäftsführer von Dialog WebDesign. Er studierte zunächst in der Ukraine Betriebswirtschaft, spezialisierte sich dann in Göttingen und Frankfurt a. M. auf Web-Entwicklung. Seine Firma Dialog WebDesign entwirft und realisiert seit 2006 nutzerfreundliche barrierefreie Webseiten für Bildungsträger und medizinische Einrichtungen. Das Angebot umfasst Webdesign, Barrierefreiheit und das Redaktionssystem Pulsar. Die Agentur ist u. a. Mitglied im Aktionsbündnis barrierefreie Informationstechnik (AbI) und in der Guild of Accessible Web Designers (GAWDS).